Demo-Bla

Da keiner von meinen Freunden und Bekannten zur Demo erschienen ist, und die Ereignisse im Vorfeld der Veranstaltung eines gewissen Entertainment-Faktors nicht entbehren, möchte ich an dieser Stelle eine kleine rückblickende Zusammenfassung schreiben, auf dass meine unzähligen getreuen Jünger und Fans einen Einblick bekommen was da so alles los war.

Die Idee zur Demo entstand im Gespräch mit einer Bekannten, Schlumpfine*, die ich über ein Internetforum für Veganer (das ich hier "Vegan-Führerbunker*" nennen möchte) kennen gelernt habe. Auf meine beiläufige Erwähnung der hier in Bremen stattfindenden Tierversuche an Affen, und dem Kommentar dass man "da mal was machen sollte", kam zwei Tage später ihre Antwort in Form der spontanen Anmeldung der Demonstration und eines dazugehörigen Threads in dem besagten Forum. Eine weitere Bremerin, Aspirin*, die ebenfalls registriertes Mitglied im Vegan-Führerbunker* war, erklärte sich bereit die Verantwortung für die Veranstaltung und ihren ordnungsgemäßen Ablauf zu übernehmen. Aspirin* war mir bereits persönlich bekannt und ist mir im Laufe der Zeit als gute Freundin ans Herz gewachsen, weswegen einer produktiven gemeinsamen Organisation der Demo nichts im Wege stand. Unsere Arbeit bestand vor allem darin, diverse Tierschutzvereine zu kontaktieren und um Mithilfe bzw. Teilnahme an der Veranstaltung zu bitten. Erste nennenswerte Erfolge waren unterstützende Zusagen von Feta*, dem "Doktoren gegen Meuchelmord e.V.*"und dem "Die Tierliebhaber e.V.*". Außerdem veröffentlichten wir den Veranstaltungstermin auf verschiedenen Tierschutz/Tierrechts-Internetseiten. Ein provisorischer Webauftritt für die Demo wurde von einem weiteren Mitglied des "Vegan-Führerbunkers"*, hier Streuselkuchen* genannt, realisiert - ein noch recht junger, sehr engagierter Aktivist und Idealist der nicht weit von Bremen wohnt.
Die Organisation machte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch Spass. Aspirin* und ich druckten Plakate, die wir weitläufig im Bremer Stadtzentrum aufhängten, wir gaben uns Mühe mehr Vereine zu kontaktieren und zu mobilisieren, Freundeskreise wurden informiert, alles lief verhältnismäßig gut und die Resonanz war weitgehend positiv.
Ungefähr einen Monat vor dem Demo-Termin erreichte Aspirin* eine Email der Kontaktperson des "Die Tierliebhaber e.V.*", in der darauf hingewiesen wurde dass es Bedenken gibt wegen der Nennung des "Vegan-Führerbunkers*" in der offiziellen Unterstützerliste. Der Inhaber des Führerbunkers*, Dr. Frankenstein*, hatte vor einiger Zeit eine dem "die Tierliebhaber e.V.*" befreundete Tierschutzaktivistin öffentlich diffamiert; Anlass war, dass die besagte Aktivistin für ihre selbstgemachten dokumentarischen Fotos von Tierquälerszenerien eine Gebühr für den Gebrauch veranschlagte.

Dr. Frankensteins* Neigung zu persönlichen Angriffen stellte sich bei näherer Internetrecherche übrigens als berühmt-berüchtigt heraus, so verbringt er beispielsweise einen großen Teil seiner Internetaktivitäten mit dem Betrieb von Hetzkampagnen mit blumigen Titeln wie "Kampagne gegen Arschlöcher - Pestbeulen auf dem Rücken der Tierrechtsszene", in dem er gezielt auf Einzelpersonen eindrischt: "GIB FÄLSCHERN, RUFMÖRDERN, SPALTERN, LÜGNERN UND VEGANFAKERN KEINE CHANCE! Eine Initiative vom Vegan-Führerbunker* zur Reinigung von Content". Auf vielen Internetforen waren Beiträge zu finden, in denen sich verschiedene Aktivisten aus unterschiedlichen Bereichen des Tierschutzes über Dr. Frankenstein* und seine Neigung zur Diffamierung, Verleumdung, und zum Kleinkrieg auf Kosten harmloser, unschuldiger Einzelpersonen, beschwerten.

Aspirin's* Reaktion auf die Email war nach einiger Überlegung das vorübergehende Entfernen des "Vegan-Führerbunker*"-Links von der Demo-Webseite, um zu verdeutlichen dass die Demonstration durch unabhängige Privatleute veranstaltet wird und nicht durch den Führerbunker*. Dr. Frankenstein* bemerkte dies schnell, woraufhin er sich in seinem Forum beschwerte. Aspirin* antwortete ihm sinngemäß mit dem Hinweis, dass wir nicht auf "Die Tierliebhaber e.V.*" verzichten können, da diese mit ihren Infoständen und Videoprojektions-mobil eine wichtige Bereicherung für die Veranstaltung darstellen, und der Link deswegen erst wieder reingestellt wird wenn die persönlichen Differenzen bereinigt sind. Nachdem ich sachlich und vermittelnd für Aspirin* Partei ergriff, aber auch versuchte zur Schlichtung des Problems beizutragen, betitelte Dr. Frankenstein* uns als "Verräter" - "wegen Leuten wie euch wird die Tierschutzszene in den Dreck gezogen".
Trotz aller Klärungsversuche, inklusive einer Entschuldigung meinerseits (die, ohne dass ich je wirklich begriffen habe wofür, gefordert und anschließend trotzdem nicht akzeptiert wurde), stellte sich heraus dass hier keine Diskussionsgrundlage mehr vorhanden war, wie man sie von vernunftbegabten Menschen erwarten können sollte. Nach einigen Vermittlungsversuchen unsererseits, und zahllosen weiteren Beleidigungen und Angriffen durch Dr. Frankenstein* lösten Aspirin* und ich unsere Mitgliedskonten beim Führerbunker* auf, mit der Bitte weitere organisatorische Belange nur noch an Schlumpfine* zu richten. Schlumpfine* war derzeit wegen eines Umzugs und Jobwechsels kaum noch erreichbar und hatte für die Organisation der Demo praktisch keine Zeit/Lust mehr. Dr. Frankenstein* allerdings war nun voll bei der Sache - nachdem er sich doch vorerst auffällig wenig, bzw. garnicht an der Organisation der Demo beteiligte - und versuchte alle Möglichkeiten auszuschöpfen um sich die Veranstaltung als eine Promotionaktion für den Führerbunker* unter den Nagel zu reißen.

Für Aspirin* stand dies jedoch außer Diskussion, da Dr. Frankenstein* nach aller Wahrscheinlichkeit die unterstützenden Vereine, die wir zur Teilnahme an der Veranstaltung gewinnen konnten, rausgeschmissen hätte (wenn sie nicht ohnehin abgesprungen wären) um einen Verein an Bord zu holen der gemeinhin als zweifelhafte New Age-Sekte bekannt ist. Außerdem zeichnete sich ab dass Dr. Frankenstein* an dem eigentlichen Gelingen der Aktion an sich überhaupt kein Interesse hatte, was sich noch bestätigen sollte.

Nach Aspirin's* Weigerung, die Demonstration weiterhin offiziell zu leiten falls der Führerbunker* als offizieller Veranstalter bekannt gegeben werden sollte, startete Dr. Frankenstein* einen Erpressungsversuch in dem er damit drohte, die Veranstaltung absagen zu lassen.

Nach einigen vergeblichen Kontaktversuchen gelang es uns letztendlich Schlumpfine* telefonisch zu erreichen und sie darum zu bitten, uns die Anmeldungspapiere für die Veranstaltung zukommen zu lassen, damit wir uns Klarheit über die rechtliche Lage schaffen können. Diese erreichten uns nach einiger Zeit auch tatsächlich. Es bestätigte sich, dass als Anmelder formlos "Vegan-Führerbunker*" eingetragen war, allerdings nicht als rechtliche Instanz, sondern vertreten durch Schlumpfine*. Als Veranstaltungsleiterin und Verantwortliche für den ordnungsgemäßen Ablauf war Aspirin* eingetragen, die inzwischen zwar schon reichlich entnervt war, aber immer noch daran festhielt aus der Veranstaltung einen Erfolg werden zu lassen. Dr. Frankenstein* musste einsehen dass er auf rechtlicher Ebene keine Möglichkeiten hatte die Veranstaltung für seine Zwecke zu missbrauchen und veröffentlichte daraufhin eine Stellungnahme auf dem Führerbunker*, in dem er darauf hinwies dass die Demo in keinster Weise mit dem Führerbunker in Zusammenhang steht* - wohl wissend, dass sich die Mitglieder des Führerbunkers* dadurch veranlasst fühlen würden nicht auf der Demonstration zu erscheinen.

Trotzdem entschloss sich Aspirin*, mit Streuselkuchen's* und meiner Unterstützung die Veranstaltung stattfinden zu lassen - zumal es bis zu diesem Zeitpunkt noch danach aussah, dass einige Leute zusammenkommen würden und sich die Veranstaltung durchaus noch lohnen könnte.

Dann tauchten in linkspolitischen Tierrechtsforen die ersten Nachrichten auf, dass am 3.5. in Bremen eine Nazidemo stattfinden würde, die unbedingt boykottiert werden müsse. Was wir allerdings nicht sofort verstanden; damit war unsere Demo gemeint.

Und das hatte folgenden Hintergrund; wie uns intern bekannt war, ist Streuselkuchen* vor einiger Zeit in einem nationalsozialistischen Tierrechtsforum aktiv gewesen und hatte dort vorübergehend Kontakt zur rechten Szene. Da er allerdings im vergangenen Jahr alle Kontakte zur Szene abgebrochen hatte und sich öffentlich und ausdrücklich vom Nationalsozialismus distanzierte, hatten wir keine Bedenken ihn an der Organisation der Demo teilnehmen zu lassen, da er, von seiner zurückliegenden Phase der nachvollziehbaren jugendlichen Orientierungslosigkeit abgesehen, ansonsten ein ganz netter Kerl ist, dem der Tierschutz sehr am Herzen liegt.
Aber die Meldungen "NAZIDEMO IN BREMEN" nahmen in den Foren zu, ein Betreiber einer Seite für Tierrechtsaktivistische Termine verweigerte sogar das Veröffentlichen des Demotermins auf seiner Seite. Auch hier haben Aspirin* und ich versucht, die Lage richtigzustellen, bzw. klarzustellen dass die Veranstaltung nichts mit Nazis zu tun hat und die Organisatoren selbst gegen Faschismus und Neonazismus eingestellt sind. Aber der stigmatisierenden Wirkung des Schlagwortes NAZIDEMO konnten wir leider nicht viel entgegensetzen, so dass auch durch diese Ereignisse wieder einige Leute im Endeffekt zu Hause geblieben sind anstatt zur Demo zu kommen.
In den letzten zwei Wochen vor der Veranstaltung passierte kaum noch viel Nennenswertes, abgesehen von einem ansehnlichen Update der Demoseite durch mich und verzweifelten Rettungsbeiträgen in Foren, in denen wir den Ruf der Veranstaltung
zu retten versuchten. Und einem netten kleinen Hinweis von Feta*, dass wir den Link zu ihrer Homepage von unserer Demoseite entfernen sollen, da sonst rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Also kam es letztendlich dazu, dass die Veranstaltung ein tendenzieller Reinfall war und die ganze organisatorische Arbeit, der Nervenkrieg mit cholerischen Profilneurotikern, die hilflosen Versuche gegen übereifrige Antifaschisten anzureden, dass die ganze Mühe (fast) umsonst war. Der einzige, wenn auch kleine Erfolg war eine Unterschriftensammlung, die dank unseres direkten Ansprechens der vielen Besucher der Christival-Veranstaltung im Uni-Bereich noch auf eine nette Anzahl gekommen ist.

Und im Nachhinein? Ich für meinen Teil bin einfach nur komplett baff, wie sehr manche Leute den Arsch offen haben. Dass beim Aktivismus generell doch eigentlich das Gelingen von Aktionen im Vordergrund stehen sollte, und nicht das Durchprügeln von persönlichen Interessen, ist offensichtlich für viele Leute nicht so klar wie ich Naivling es erwartet hatte. Und was mich wirklich traurig macht ist die Tatsache dass Aspirin*, Streuselkuchen* und ich alles mögliche versucht haben damit die Veranstaltung ein Erfolg wird, aber der Großteil der "Szene" vielmehr damit beschäftigt war uns Steine in den Weg zu legen anstatt uns zu unterstützen. Und von meinen Bekannten (außer meiner Mutter) niemand auf der Veranstaltung erschienen ist. Schade eigentlich.



*Namen im Rahmen des Zeugenschutzprogrammes geändert. Die Echtheit der Namen wurde durch Eli Porter gänzlich bestritten und abgelehnt, Prädikat "totaler Firlefanz". Die Beschreibung des Tathergangs hingegen ist komplett korrekt, ich schwör.