Die Individualität des Menschen wird erzeugt durch das Isolieren einer begrenzten Menge kollektiver Energie. Das Ego ist ein verschlossener Behälter, in dem das Quantum der eingeschlossenen Energie bestrebt ist, die Grenzen zu durchbrechen und zum Kollektiv zurückzuströmen. Dieses ständige Drängen nach aussen erzeugt eine Rotation innerhalb des Behälters, da die Bewegungsenergie von der Undurchdringlichkeit des Behälters reflektiert wird. Diese Rotation stellt sich dem rationalen Bewusstein als Gedanken dar. Der Buddhismus lehrt das Anhalten der Rotation als oberstes Ziel, da die eingeschlossene Energie im Ruhezustand dem Aggregatzustand der Kollektivenergie gleicht.
In Einzelfällen findet durch unbestimmte Ursache eine Beschädigung des Behälters statt. Die eingeschlossene Energie entweicht nun, wodurch in der metaphysischen Hülle quasi ein energetischer Unterdruck entsteht, durch den wiederum neue Kollektivenergie eingesogen wird, die sich mit dem als Individuum empfundenen Quantum der Energie vermengt.
Menschen, bei denen die beschriebene Problematik auftritt, befinden sich im stetigen Wandel, ihre Persönlichkeit unterliegt Strömungen, die sie selbst nicht nachvollziehen können. Sie scheinen bewusster und empfindsamer mit ihrer Umwelt umzugehen und sind emotional instabil.
Würde die moderne Psychologie den beschriebenen Sachverhalt für die Herangehensweise an psychische Störungen in Betracht ziehen, würde dies revolutionäre Konsequenzen auf ihre Behandlungsmethoden haben.
Man müsste der Tatsache ins Auge sehen, dass diese Menschen weder tot noch lebendig sind. Im Tode verliert der metaphysische Behälter seine feste Form und setzt das eingeschlossene Quantum frei. Die Individualität kehrt zu ihrem Ursprung zurück und fügt sich wie ein Puzzlestein in das große Ganze. Entsteht jedoch zu Lebzeiten ein �Leck�, kann das Individuum nur schrittweise zum Kollektiv zurückkehren. Allerdings wird, wie beschrieben, stets neue Energie absorbiert und dies führt zur Bildung neuer Persönlichkeitsstrukturen, das Individuum verliert alte Bestandteile und neue werden hinzugeführt.
Das Individuum erfährt diesen kontinuierlichen Vorgang als ein permanentes Sterben mit gleichzeitiger Wiedergeburt, die sich nie absolut, sondern immer nur in geringem Maße vollzieht. Das Bewusstein beobachtet sich selbst in dem Prozess der Auflösung und gleichzeitigen Neubildung.
Nach eigener Beobachtung festigte sich meine Befürchtung, dass ein solches Leck nicht geschlossen werden kann, da der starke energetische Sog jede Form von Flickwerk hinfortzureissen scheint. Deshalb kann nur Erleichterung geschaffen werden, indem der Betroffene lernt sein Schicksal zu akzeptieren und einen roten Faden in seiner Erinnerung zu bilden, damit ein gewisses Gefühl von Stabilität erhalten werden kann. Bestimmte Ziele müssen formuliert werden, damit das Bewusstsein nicht vollends resigniert und die Unbeständigkeit als unabänderlich akzeptiert wird. Diese Ziele sollten sich nicht zeitlich eingrenzen lassen, damit die Bestrebung kontinuierlich bleibt. Für mich persönlich haben die Formulierungen von moralischen Idealen die positivste Wirkung auf die Stabilität meiner Persönlichkeit. Die Erfahrung zeigte mir, dass ein gewisser Teil des Quantums beibehalten werden kann durch die bewusste Konzentrierung auf diese Ziele als Lebensmaxime. Somit ist nur ein unwesentlich einflussreicher Teil des Quantums im ständigen Wechsel, die Idee des Ideals bleibt erhalten und somit auch die bedeutungsvolleren Aspekte des Individuums � also des energetischen Quantums.
Noch bin ich nicht in dem Stadium eine derartige Behauptung aufstellen zu können, aber ich vermute dass dies der Weg sein könnte, ein Leben trotz des ständigen inneren Sterbens als lebenswert empfinden zu können.