Der Taoismus lehrt den Weg des "leeren Gefäßes", werde leer um den Fluss der allumfassenden Energie empfangen zu können da der natürliche Lauf der Energien immer ein positiver ist. Alles Grübeln, alle Zweifel, alle Ängste liegen schwer am Grunde des Gefäßes (des Menschen), und verhindern dass es vom Strom der Energie (das Chi / Qi / Tao ) erfüllt wird.
Das Leeren des Gefäßes wird durch Meditation erreicht, die innere Stille mit dem Ziel der Einswerdung des Geistes mit dem Körper. Hier wird die Lehre gnostisch; der Mensch trägt göttlichen Funken in sich. Dieser Funke ist entsprungen aus der Wahrhaftigkeit und somit vollkommen. Das Ich, das Bewusstsein des Menschen, wird durch die Inkarnation in diese Welt, durch die Verbindung der Materie mit dem göttlichen Funken gezeugt. Stirbt der Körper, geht die Verbindung (und somit das Ich) verloren, da sich Materie und göttlicher Funke nun wieder trennen. Der Körper kehrt in die Erde zurück, der Funke fliesst ein in den Strom des Chi.
Soll das Ich nach dem Tode weiterbestehen, muss das Ich seiner wahren Natur bewusst werden und durch den göttlichen Funken eine neue Verbindung mit dem Chi eingehen, eine Re-Inkarnation des Geistes mit dem Chi. Hiermit wird die erste Verbindung, die des göttlichen Funken mit dem Körper, sekundär. Das Ich wurde einst geschaffen und erschafft sich selbst neu, es bedient sich des eigenen Ursprungs, des Chis, und verwendet es durch den Moment der Bewusstwerdung als körperliche Instanz; ein neues Gefäß für das neue Ich.
Ist dieses Wissen von praktischem Nutzen? Nur indirekt. Es hilft, bei tatsächlicher Anwendung, eine neue Art des Selbstbewusstseins zu entwickeln, nämlich eine tatsächliche Bewusst - Werdung. Es hilft zu verstehen warum die Menschen sich innerhalb der Mauern des seelenlosen Kapitalstaates nach esoterischem Firlefanz sehnen. Und es hilft eine neue, etwas erhobene Perspektive auf das Leben und den Sinn dahinter einzunehmen. Man sollte nur nicht den Fehler machen, sich durch unwissende Skeptiker, die sich selbst noch nicht erkannt haben, die ihren Intellekt nicht als Werkzeug begreifen sondern ihn fälschlicherweise als Zentrum ihres Selbst wähnen, einschüchtern zu lassen. Man sollte lieber Diskussionen mit denen führen, die schon einen Schritt weiter nach vorne getan haben, jene, deren Lebensinhalt nicht mehr ihre Instinkte und primitiven Triebe sind. Und man sollte im Geiste diskutieren, mit Hilfe von Schriften jener erleuchteten die ihre unauslöschlichen Spuren im kollektiven Bewußtsein der Menschen hinterlassen haben.
Es ist eine ganz simple Erfahrung am eigenen Leibe, dass so der Weg zur Glückseligkeit gefunden werden kann. Hat man diesen Weg einmal verloren ist es sicher schwer ihn wiederzufinden, das erfahre ich auch gerade am eigenen Leibe. Aber letztendlich ist das der Sinn, der Grund für die Existenz des Ichs. Die Bewusstwerdung seiner eigenen Natur, von der tiefsten Ebene der Erde und Materie bis in die höchste Ebene der Spiritualität.