Bündnis der Profanen

Eure Art zu leben ist mir nicht genug. So bin ich immer auf der Suche nach Glückseligkeit und diesem gewissen Zauber des Augenblicks. Jeden Tag versuche ich neue Rechtfertigungen zu finden, mich nicht aufzugeben und nicht im Abgrund der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Das Verlangen nach intensiven Gefühlen und aussergewöhnlichen Erlebnissen wird stetig größer, während die Welt um mich herum immer grauer zu werden scheint.

Ich beobachte aus unbeteiligter Distanz die massenpsychologischen Entwicklungen hin zum Zynismus und zur emotionalen Verrohung. Die allgegenwärtige, von den Medien geförderte überkritische Lebenseinstellung, mit der sich die Menschen gegenseitig daran hindern innerlich zu wachsen, erscheint mir bedrohlich und übermächtig. Und sobald ich mich in das Ohnmachtskollektiv hinbewegen muss spüre ich von allen Seiten den Druck zur Anpassung und Erniedrigung meiner Persönlichkeit.

Aber meine Seele lässt sich nicht zähmen. Sie lässt mir keine Ruhe, fordert von mir dass ich immer wieder aufs Neue leidvolle Situationen durchlebe. Sie will Drama, Tragödie, Liebe über alle Maßen und emotionales Chaos. Und meine Psyche ist erschöpft. Ich bin kaum noch in der Lage dieses Schicksalstheater zu verkraften und finde keine Ruhe. Meine Sehnsüchte überwältigen mich und zehren mich aus.

Ein geregeltes, gesellschaftlich akzeptables Leben kann mir nichts bieten ausser einer betäubenden Gleichgültigkeit. Routine, Pflichterfüllung, Desillusionierung, Verhaltensnormen zu befolgen lässt mich innerlich verdursten. Das neue Jahrtausend leitet den größten Dünnschiss in der Evolution menschlicher Degeneration ein. Wo sind die Träumer, Freidenker, Visionäre?

Diese Humanstandardisierung, auf dessen Basis ein komplettes Leben wie am Fliessband abgefertigt wird, ist mein seelischer Untergang. Ich beuge mich so weit wie nötig und erfülle die an mich gestellten Erwartungen. Aber was in mir resoniert ist nichts anderes als ein umfassendes Gefühl der Verachtung und Widerwärtigkeit. Nichts lässt sich für mich so sicher feststellen wie die Schlussfolgerung, dass ich hier fehl am Platze bin. Hier gibt es nichts für mich zu holen und ich habe nichts, was ich zu diesem Bündnis der Profanen beitragen könnte.