Ja, Menschenfeind. lol

Bei aller Provokation, allem Zynismus, aller herablassender Geringschätzigkeit für eine gleichgeschaltete, von Trends gesteuerte Masse (die nicht das Produkt einer gemeinsamen Agenda aller Individuen ist, sonder vielmehr deren kollektive Passivität gegenüber einer überfälligen humanistischen Progression) ist es umso nötiger eine ernsthaftere, klare Position bezüglich meiner Motivation für diese Website zu beziehen, alleine schon um die Skepsis meiner Bekannten und Freunde hoffentlich aus dem Weg räumen zu können.

Mir geht es nicht um persönliche Angriffe auf Einzelpersonen oder um eine Glorifizierung meiner Persönlichkeit, kein Messiaskomplex, keine Selbstverherrlichung. Ebenso wenig geht es mir um wissenschaftliche Abhandlungen oder argumentativ zementierte Theoreme, mit denen ich die Ansichten Anderer attackieren will um sie einer charakterlichen Unzulänglichkeit zu überführen. Meine Texte sind, wie eingangs erwähnt, persönliche Gedankenkonstrukte, die weder in einem größeren, gewollten Zusammenhang stehen, noch eine klar formulierte höhere Botschaft vermitteln sollen. Ich spreche niemanden persönlich an, und ich will niemanden dazu überreden sein eigenes Wertesystem zu verwerfen oder "mir Recht zu geben". Und ich will keinen Fanclub oder Verherrlichung durch Ja-Sager, die, ebenso wie ich, Schwierigkeiten haben sich in bestehende soziale Normen einzufügen. Das größte Motiv für das Schreiben meiner Texte ist die bloße Ventilierung meines sporadisch auftretenden Schreibdrucks, und die Hoffnung, andere zur Selbstreflexion anregen zu können.

Meine Texte provozieren viel häufiger kritische und ablehnende Reaktionen als Zustimmung oder Befürwortung. Und das ist in Ordnung. Allerdings bin ich der Meinung dass es unangebracht ist, diese Thematik auf eine persönliche Ebene zu transportieren, da ich nicht charakterliche, persönliche Eigenschaften anprangere, sonder vielmehr einen allgegenwärtigen, unterschwelligen Mangel an reflexivem Denken, der dazu führt dass die skrupellosen Nutzniesser unserer Gesellschaft mit ihren perversen, menschenverachtenden Ungerechtigkeiten letztendlich ungeschoren davonkommen. Auf diesen Mangel an reflexivem Denken (wohl begründet in Ignoranz, Resignation oder gezielter medialer Konditionierung) möchte ich hinweisen und hoffe dass manche von denen, die über meine Seite stolpern, sich dazu inspiriert fühlen die eigene verinnerlichte gesellschaftliche Konditionierung zu entlarven - oder aber sich einfach darüber freuen, dass es noch andere gibt die lieber der Sand im Getriebe dieser massiven Foltermaschine "Gesellschaft" sind als ein weiteres kleines Zahnrädchen. Diese Wirkung erziele ich allerdings selten, da viele Menschen es vorziehen trotzig, abwehrend oder ablehnend zu reagieren anstatt sich ernsthaft und konstruktiv mit meinen Texten auseinanderzusetzen. Gerade wenn der Titel meiner Website an sich ja schon ein Angriff auf alle und jeden ist.

Also warum veröffentlichen? Weil ich die Hoffnung nicht aufgebe dass es immer noch einige wenige gibt, die einen positiven Impuls aus meinen Texten gewinnen. Und weil ich Dialog suche. Nicht in Form einer unpersönlichen Grundsatzdiskussion, wie man sie vielleicht in einer politischen Diskussionsrunde führen würde - dafür gibt es schon reichlich gute Foren. Sondern vielmehr als persönlicher Austausch von Überzeugungen und Ansichten. Einfach aus dem Wunsch nach sozialer Interaktion heraus. Ich sag dir was ich denke, nimm dir doch einfach mal die Zeit und erzähl mir was du so denkst.

Und warum "Der Menschenfeind"? Früher war meine Antwort "weil wider Willen". Ich hege keinen Menschenhass, und es gibt viele Menschen die mir wichtig sind und die ich sehr schätze. Mein persönlicher Kampf geht auch nicht gegen die, die anders denken als ich. Vielmehr findet er auf einer inneren Ebene statt, in Form von möglichst distanzierter Betrachtung der Umstände, in die man gezwungenermassen ununterbrochen persönlich involviert ist, die von den meisten Menschen als normal oder unabänderlich betrachtet werden - was eine distanzierte, unpersönliche Betrachtungsweise so schwer und ungewöhnlich macht. Mein tatsächlicher Feind sind die gesellschaftlichen Konventionen, die das Mensch-Sein in der modernen Zeit so häufig auszeichnen. Das allgemeine, stillschweigende Tolerieren des Verfalls ethischer Grundprinzipien. Der Mangel an Leidenschaft, wenn es um das Bekämpfen sozialer Ungerechtigkeit geht. Die passive Akzeptanz gegenüber den lebensverachtenden Praktiken derer, die den Motor der hochtechnologisierten Kapitalgesellschaft am Laufen halten. Die perverse Wertebildung in Richtung gesellschaftlichem Status, Konsum, asozialem Egoismus, das Gleichsetzen von Nächstenliebe und Feinfühligkeit mit Schwäche. Die Geringschätzigkeit gegenüber denen, die sich weigern an dieser Wahnsinnsgesellschaft teilzunehmen - dieser Gesellschaft, die Menschen zu Produktions- und Konsummaschinen degradiert und sie ständig in Beschäftigung hält damit die Müllhalden immer weiter wachsen. Und damit wir nicht diesen gewissen distanzierten Überblick entwickeln können, um konventionelles Denken zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verwerfen.

Aber noch einmal, es geht mir nicht um persönliche Angriffe und ganz bestimmt nicht darum, andere davon zu überzeugen was für ein geiler Macker ich bin. Sicher lässt es sich nicht vermeiden, dass viele Menschen die Äußerung einer persönlichen Ansicht immer als Aufruf zu einem "zwischenmenschlichen Wettstreit" verstehen, in dem es immer nur auf ein gegenseitiges Messen der rhetorischen Fähigkeiten hinausläuft. Bereitschaft zur Selbstkritik ist eine seltene Gabe. Und noch seltener ist die Gabe, die persönlichen Ansichten auf einem ethischen Verantwortungsgefühl für das eigene Handeln zu basieren. Darum verliert sich in solchen Diskussionen allzu schnell der Bezug zur Realität, da es diesen rhetorisch Spekulierenden nur darum geht Schwachstellen in der Argumentation des gegenüber zu finden und zu attackieren um letztendlich "Recht zu behalten" - ganz egal ob die eigene Grundeinstellung ethisch vertretbar ist oder nicht. Und am Ende vertreten diese Verbalmasturbierer häufig sowieso gar keine eigene Grundeinstellung, vielmehr argumentieren sie aus verinnerlichten konventionellen Scheinwahrheiten heraus um "den Wettstreit zu gewinnen". Aber diese Art von Diskussion ist ohnehin nicht das, was ich suche. Wozu auch, ich habe nicht das Talent oder den Willen andere zu manipulieren. Was ich gerne in anderen Menschen hervorrufen möchte ist lediglich ein Anstoss für einen gedanklichen Prozess von dem ich fest glaube, dass er für eine positive Änderung bestehender Verhältnisse mehr gebraucht wird denn je. Nur weil gerne darüber geschwiegen wird dass unsere Gesellschaft Leid hervorruft - das Leiden sogenannter Entwicklungsländer deren Wirtschaft durch Billigprodukte aus Ländern der "ersten Welt" komplett ausgesaugt wird, das Leiden der Menschen deren Länder bekriegt werden damit unsere Industrienationen wirtschaftliche Kontrolle erlangen, das Leiden sozial Schwacher die in "Wohlstandsländern" dafür bluten müssen dass faschistoide Großkonzerne das Kapital für sich beanspruchen, und das wohl am heftigsten ignorierte Leiden der Abermillionen Tiere die die unschuldigen Opfer unserer gewissenlosen Wirtschaftsmechanismen sind - nur weil gerne darüber geschwiegen wird, bedeutet dies noch lange nicht dass dieses Leid nicht existiert. Ganz im Gegenteil, umso mehr wir unsere Augen abwenden desto skrupelloser wird aus diesen Leiden Profit generiert.

Meiner Meinung nach ist die "globale Macht" aufgeteilt zwischen Institutionen und Gruppierungen, an deren Spitze gewissenlose Psychopathen stehen. Mörder ohne Skrupel, die Kriege veranlassen oder stillschweigend hinnehmen, die uns Gift als Nahrung verkaufen, die uns mit Medien abspeisen die ganz offensichtlich kaum einen anderen Zweck als Massenverdummung erfüllen, die mit virtuell erzeugtem Geld spekulieren das aus einer zwangsmässig herbeigeführten Armut der eigenen und anderer Länder Bevölkerung generiert wird, die immer neue Wege finden noch mehr Reichtum anzuhäufen während die breite Masse stetig in eine reale (materielle und geistige) Armut getrieben wird, die tagtäglich Gewalt, Leid, Ausbeutung, Unterdrückung und Mord als politische oder wirtschaftliche Faktoren betrachten und sie als solche ohne zu zögern für ihr eigenes Interesse nutzen.

Wenn wir die Regeln dieser Psychopathen stillschweigend akzeptieren, wird sie nichts davon abhalten ständig so weiterzumachen. Eine innere Haltung der Ablehnung ist der erste Schritt, dem ein Ende zu setzen. Wie sonst soll diese allgemeine stillschweigende Akzeptanz durchbrochen werden, wenn nicht einige wenige den Anfang machen? Also versuche ich hier (und an anderen Stellen) meinen Beitrag zu leisten, andere darin zu bekräftigen diesen Schritt zu tun. Und auch wenn ich das vielleicht nicht besonders geschickt anstelle - so kann ich es am besten und so macht es mir Spass.

Vielen Dank für euer Interesse.