Die Gesellschaft

Der Mensch braucht Zwischenmenschlichkeit.
Und er braucht sie auf 2 Ebenen, sowohl im Sinne "Mensch zu Mensch" als auch "Mensch zu Gesellschaft".
Wer die Welt mit offenen Augen sieht, weiss, dass auch die Zwischenmenschlichkeit im letzteren Sinne im Laufe der Menschheitsgeschichte zu einer Perversion verkommen ist; Der Beitrag des Einzelnen dient nicht mehr der Bereicherung des Zusammenlebens, das Zusammenleben in unserer Gesellschaft hat sich vielmehr zu einem parasitären Apparat verselbstständigt, der seine Energie aus den einzelnen Individuen bezieht um am Leben bleiben zu können. Deren Individualität wird stetig angezapft, bis der Einzelne seine Individualität annähernd gänzlich verliert und somit ein willenloser Teil des Apparates wird und den Gesetzen und Vorschriften des Apparates unterliegt.

Der Apparat "Gesellschaft" ist also der Feind jedes Menschen, der freies Denken und freies Handeln vertritt.

Dieser parasitäre Vorgang äussert sich in der Alltäglichkeit, in den Regeln unseres Zusammenlebens und Zusammenarbeitens.
Die naheliegensten Beispiele sind
1) Jugendgruppierungen, die sich durch bestimmte Musikstile, Uniformierungen und Umgangsformen definieren,
2) gesellschaftliche Schichten, die sich durch Vermögen und Einkommen definieren,
3) ethnische Gruppen, die sich durch Hautfarbe und Abstammung definieren,
4) religiöse Gruppen, die sich durch den Versuch, dem Menschen die Göttliche Präsenz nahezubringen, definieren, und
5) Aussenseiter, Einzelgänger, Aussteiger, die sich durch das Ablehnen der allgemein anerkannten Sitten, Gebräuche, Umgangsformen und Überzeugungen definieren und übrigens meist daran scheitern, eine alternative Form des Zusammenlebens zu schaffen, weil der Apparat Gesellschaft sie solange bekämpft, bis sie nicht mehr die Kraft haben, Widerstand zu leisten und absorbiert werden.

Jede Form der Teilnahme des Einzelnen an einer solchen Gruppierung geschieht durch das Ablegen der eigenen Individualität und der Verinnerlichung der kollektiven Identität der Gruppierung. Ausgenommen sind die Aussenseiter, Einzelgänger, Aussteiger. Denn ihr Wesen unterliegt den Gesetzen des freien Willens, ihre Verhaltensvorschriften gestalten sich nach ihrem eigenen Gewissen. Für sie zählt keine Verhaltensnorm, die in einer Gruppierung eingehalten werden muss.
Das macht sie zu freien Menschen, auf der Ebene des Geistes. Doch da sie hineingeboren werden in die große Gruppierung "Staat & Gesellschaft", stellt sich für sie immer wieder die Frage, wie sie ohne Verlust ihrer persönlichen Freiheit bestehen können. Diejenigen, denen das wohl am besten gelingt, sind die Künstler. Sie leben von ihrer Individualität, bzw. von dem Ausdruck dieser. Der Künstler schafft seinem Inneren eine Form, durch Musik, Malerei, Dichtung...

Doch was ist mit den Aussenseitern, die nicht musisch begabt sind? Oder den Künstlern, die mit ihrer Kunst kein Geld verdienen? Die Gesellschaft beginnt ihren ungeheuerlichen Prozeß der Erniedrigung, Ausbeutung, und letztendlich der Gleichschaltung.

Hier beginnt der innerliche Zerfall. Das Leben verliert seinen alten Sinn und den neuen, aufgezwungenen Lebenssinn zu akzeptieren gelingt nicht vielen. Jeden Tag kämpft der Aussenseiter darum, sich seinen Platz innerhalb der Gesellschaft zu sichern. Aber oft ist die Entfremdung der Persönlichkeit von der Gesellschaft so stark, dass es nicht gelingt, sich ihr anzupassen. Das Leben wird tagtäglich bitterer, bis es dazu kommt, dass keine Lebensfreude mehr aufkommen mag. Das Resultat sind Depressionen, die so stark werden können, dass sie zum Suizid führen.

Die Gesellschaft zerstört Identität.
Die Gesellschaft tötet Persönlichkeit.
Und sie lebt davon.